April 2010

 

Das bereits im Märzbericht erwähnte 'Unangenehme', das uns in C a l a m a erwarten würde, war ein E i n b r u c h in unser F a h r z e u g. Wir hatten nach Ankunft in Calama am Vormittag das Bedürfnis, ein Frühstück einzunehmen. Aus diesem Grund stellten wir das Fahrzeug auf dem nächsten freien Parkplatz ab und suchten uns in der Nähe eine kleine Bar. Als wir ca. nach 2 Stunden, so gegen 12.00 Uhr mittags, wiederum zum Auto kamen, sahen wir die Bescherung: Das hinterste Fenster auf der rechten Seite war eingeschlagen und wir stellten zunächst nur den Diebstahl eines Rucksackes, nämlich den von Manuel, fest. Später bei genauer Durchsicht all unseres Gepäcks, kam dann ans Licht, dass auch Erich die Unterwelt Calamas mit seinem Rucksack und dessen Inhalt gesponsert hatte. Es fehlten auch noch andere Kleinigkeiten, die in Reichweite dieses Fensters abgelegt waren.

 

Das ganze war sehr ärgerlich. Nicht nur, dass Geld in Manuels Rucksack war, sondern auch einige schwer zu ersetzende elektronische Kabel, Ladegeräte etc. Insgesamt belief sich der materielle Schaden auf über € 1.000,00. Die Unannehmlichkeiten, die dann noch für die Diebstahlsanzeige folgten, hielten sich jedoch aufgrund der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Polizei in Grenzen.

 

Die Leihwagenfirma, die auch in Calama ein Büro unterhält hat uns nach einigem Hin.- und Her sowie Intervention durch Hannes aus Concepcion ein neues Fahrzeug zur Verfügung gestellt. Wir packten unser verbliebenes Gepäck um und blieben keine Sekunde länger in dieser Stadt. Der geplante Besuch der Kupfermine Chuquicamata wurde kurzerhand auf unsere Rückreise verlegt.

 

So ging es an diesem Tag dann in flotter Fahrt zu unserem nächsten Ziel, nämlich der Oase Pica. Die Fahrt ging wieder durch die Wüste über die gut ausgebaute Straße Ruta 5, die Carreterra Panamericana, die über 25.000km lang ist und von Alaska bis zur Südspitze der Insel Chiloe führt.

 

Pica ist eine hübsche und saubere Oase mit viel Grün. Am ersten Abend versuchten wir uns an einem Guanaco Kitz, eine Wildform des Lamas und hier eine Spezialität. Der Geschmack erinnerte uns an einen Lammbraten und wir genossen diese herrliche Mahlzeit. Das von uns für die Übernachtung gewählte 'Hostal' war sauber und es gab sogar einen Swimmingpool sowie einen Zitronen.- und Orangengarten. Erfreulicherweise stellten wir am Ende der Reise fest, dass sämtliche Unterkünfte sehr ordentlich geführt und die meisten sogar preiswert waren. Einzig beim Frühstück könnten sich die chilenischen Beherbergungsbetriebe noch etwas einfallen lassen. Selten gab es Wurst und/oder Käse, meistens nur Nescafé (ohnehin der Lieblingscafé der Chilenen), einen Fruchtsaft und irgendwelche süßen Brötchen, also ein typisches, durchschnittliches Frühstück hierzulande.

 

Unser nächstes Ziel war das Dorf P u t r e auf ca. 3500m Höhe. Dieses Dorf liegt herrlich eingebettet in einem grünen Tal, umgeben von alten, steingefassten Terrassen. Putre hat viele hübsche, kleine Lehmziegelhäuser sowie eine Kirche, die ebenfalls aus Lehmziegel erbaut wurde. Es gibt eine sehr große Hotelanlage am Eingang des Dorfes, die auf einen regen Fremdenverkehr im Sommer schließen lässt. Wie die meisten, nutzten auch wir den Ort u.a., um uns wiederum an die Höhe zu gewöhnen, denn am nächsten Tag sollte es ja auf einen der höchstgelegenen Seen, dem Lago C h u n g a r á (4500m) gehen.

 

Zwischen Putre und dem See besuchten wir noch das winzige Dörfchen P a r i n a c o t a. Auf dem Weg dorthin sahen wir riesige Herden von Guanacos, Alpakas und auch eine Gruppe von Chinchillas lief uns im wahrsten Sinne des Wortes über den Weg. Überall wo nur etwas Grün sprießte sah man auch eine Menge Tiere.

 

In Parinacota gab es einen schönen Dorfplatz mit einem Kirchlein, einem Kiosk sowie einen großen Verkaufsstand von landestypischen Handarbeiten. Man sah den wenigen Einwohnern an, dass sie Touris gewohnt waren und diese auch erwarteten. Wir labten uns noch schnell mit einem Kokatee und weiter ging es dann wieder bergan.

 

Der See bot sich uns bei herrlichem Sonnenschein und umringt von einigen über 6000m hohen, schneebedeckten Vulkanen dar. Die Bilder, die wir in uns und auch mit der Kamera aufnahmen, wirken vor lauter schön, schon wieder fast kitschig. Aufgrund der Höhenlage ist es am See trotz Sonnenschein recht frisch. Anschließend machten wir einen kurzen Abstecher an die in der Nähe gelegenen bolivianischen Grenze, die wir jedoch nicht überschritten.

 

Bei der Rückfahrt schauten wir uns noch ein weiteres, sehr abgelegenes Andendorf, S o c o r o m a an. Hier kommen im Gegensatz zu Parinacota, das auch von Touristenbussen angefahren wird, kaum Fremde vorbei. Es gibt daher auch keine touristische Infrastruktur. Die Menschen schauen misstrauisch und wenig einladend. Die Ausnahme bildete ein bereits alter Mann mit seiner Gitarre. Er hielt unser Auto mit Handzeichen auf und begann mit uns ein Gespräch in englisch. Nach dem wir mit seiner Erlaubnis ihn vor seinem Haus fotografierten, bat er uns, diese Fotos an seinen Sohn per E-Mail zu schicken und schrieb uns noch schnell dessen E-Mailadresse auf. Schau, schau so hinterwäldlerisch und rückständig sind sie nicht einmal in dem abseits gelegensten Dorf in Chile.

 

Von da an ging es mit uns wieder bergab, und zwar nach I q u i q u e auf Meeresniveau. Iquique ist für Viele deshalb interessant, weil man dort ebenso wie in Ushuaia zollfrei einkaufen kann. Nachdem wir einige Dinge zu ersetzen hatten (siehe Einbruch Calama), stürzten auch wir uns einen ganzen Nachmittag lang in die Zollfreizone. Das eine oder andere wurde dabei auch erstanden. Die Einkaufstour hat uns ganz schön hungrig gemacht und so suchten wir in der Stadt nach einem offenen Lokal. Dies war am späten Nachmittag gar nicht so einfach, deshalb landeten wir wiederum in einem Einkaufszentrum mit Lokalitäten.

 

Nachdem wir uns für eine der vielen Imbissbuden geeinigt hatten und die Bestellung bei der jungen Kellnerin aufgeben wollten, verspürten wir plötzlich ein leichtes erzittern des Bodens. Zunächst glaubten wir, ein schwerer Lkw fuhr unmittelbar unter dem Haus durch und dadurch die Erschütterung. Als wir jedoch in das entsetzte Gesicht der Kellnerin schauten, wurde uns bald klar, das war ein E r d b e b e n. Es dauerte nicht lange, da bebte es ein zweites und drittes Mal. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sind alle, die sich auf dieser Etage befunden haben, losgerannt. Die meisten stürmten in Panik hinaus auf die Straße. Wir und einige wenige andere hatten uns lediglich unter einen Türstock gestellt, der uns vor eventuell herunterfallende Trümmer schützen sollte. So weit kam es Gott sei Dank nicht und nachdem auch nach 10 min. kein weiteres Beben zu registrieren war, versuchten wir nochmals etwas zu essen zu bekommen, was uns letztendlich dann auch gelang. Anderntags erfuhren wir aus den Medien, dass dies ein Beben der Stärke 4,8 war. Dies war eine etwas merkwürdige und nicht unbedingt zu wiederholende Erfahrung für uns.

 

Iquique wird uns aber nicht nur wegen dieses Erdbebens in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen seines herrlichen Strandes und seinem ausgesprochen netten Altstadtzentrums. Die Fußgängerzone hat eine hübsche Nostalgietramway und es laden viele kleine Lokale und Bars zum Verweilen in deren 'Schanigärten' ein.

 

Auf dem weiteren Weg in den Süden übernachteten wir noch in T o c o p i l l a, das ich hier nur erwähnen möchte, weil es ganz im Gegensatz zu Iquique, für uns einer der trostlosesten, schmutzigsten und unsympathischsten Orte auf diesem Landausflug war. Die Menschen leben hier hauptsächlich von der nahen Mine.

 

Als nächstes holten wir die verschobene Besichtigung der Kupfermine von C h u q u i c a m a t a nach. Diese befindet sich in der Nähe von Calama und ist eine der größten Kupferminen der Welt. Chile gilt als d e r größte Kupferlieferant überhaupt. Wir hatten eine wirklich beeindruckende Führung durch dieses Werk, wobei man uns zunächst die 'Geisterstadt' von Chuquicamata zeigte. Diese befindet sich am Anfang des Werkgeländes und besteht aus wirklich allen in einem mittleren Ort sich normalerweise befindenden Gebäude wie zB Geschäften, Restaurants, Bücherei, Schule, Kindergarten, Banken, Kirche, Friedhof und sogar Kino und Theater. In dem Ort lebten ca. 3.500 Arbeiter des Werkes samt deren Familien. Nach einem Gesetz, das jetzt ca. 10 Jahre alt ist, wurde es jedoch verboten, dass Menschen näher als 10km von einem derartigen Werk entfernt wohnen dürfen. Daher war die nunmehr staatliche Kupfermine gezwungen, 'ihr' Dorf zu verlegen, und zwar nach Calama. Dort hatte man in der Nähe des Flughafens lauter einförmige Häuschen in mehreren Reihen errichtet, mit jeweils einem winzigen Garten und die Familien dort untergebracht. Auf uns wirkte diese Siedlung, die man übrigens in ähnlicher Form auch in vielen anderen Städten Chiles sehen kann, eher wie Hasenställe. Aber wahrscheinlich ist diese Art von Wohnen noch immer angenehmer als die sogenannten Hochhaus Wohnsilos in Europa.

 

Die Kupfermine selbst, die wir mittels eines Busses besichtigten, besteht in der Hauptsache aus drei riesigen Löchern. Das größte davon ist einen Kilometer tief und hat am Rand ringförmig angelegte, befahrbare Stufen mit einer Höhe von jeweils 36m. Das Aushubmaterial, aus dem man nur spärliche 1% Kupfer gewinnt, wird von r i e s e n Baggern auf r i e s e n Ladern transportiert und von diesen dann auf den ringförmigen Stufen nach oben gebracht. Nach Bearbeiten dieses Materials wird der nicht benötigte 'Abfall' auf riesigen Halden rund um das Werk gelagert. Diese Berge sind schon von weitem zu sehen. Unsere sehr kompetente und hübsche Führerin – sie ist bereits in Chuquicamata in den Kindergarten gegangen, als dieser noch direkt beim Werk war – erklärte uns weiter, dass man nunmehr an die Kapazitätsgrenzen angelangt sei, einerseits was die Tiefe des 'Lochs' und andererseits, was die Höhe der Halden betrifft und so gibt es schon Pläne, wonach in Zukunft Untertagabbau betrieben werden wird. Alles in allem war dies eine sehr, sehr interessante Werksführung, in der man nur von Superlativen erfahren hat.

 

Die letzte Station bevor wir wiederum nach Antofagasta zum Flughafen und somit zurück nach Santiago bzw. Puerto Montt fuhren, war der Hafenort Mejillones. Die Menschen dort leben vom Fischfang, Tourismus und der Hafenindustrie. Uns am meisten beeindruckt, hat jedoch die Seelöwenkolonie, die wir ganz aus der Nähe von einem Felsvorsprung – zu erreichen durch eine wilde Berg.- und Talfahrt - ausgiebig beobachten konnten.

 

Der Rückflug nach Santiago war angenehm und schnell vorbei. In Santiago trafen wir uns mit Hannes, den ich bereits erwähnte, da er uns bei der Planung dieser Reise und einigen damit im Zusammenhang notwendigen organisatorischen Maßnahmen behilflich war. Es war ein netter und informativer Abend. Wir erfuhren viel über das Erdbeben, dessen Folgen sowie das Leben in Chile. Wir hoffen, dass wir Hannes bevor wir Chile verlassen, bei ihm oder auch bei uns, noch einmal sehen werden.

 

Nach Puerto Montt ging es dann wieder zurück mit dem Bus. Damit war aber unser Ausflug noch nicht beendet. Wir waren schon wieder fast drei Monate in Chile und somit mussten wir für zumindest ein paar Stunden aus dem Land ausreisen, damit sich diese Aufenthaltsdauer wiederum um drei weitere Monate verlängerte. Zu viert beschlossen wir aus diesem Grund, nach Argentinien, Bariloche, das sehr schön sein soll, zu fahren. Der besseren Beweglichkeit halber mieteten wir wieder ein Auto und fuhren damit bereits am nächsten Tag los. Zunächst machten wir nur eine kleine Runde, zum nahen Vulkan Osorno, auf dem im Winter auch Schibetrieb herrscht. Dieser Tagesausflug entlang des Lago Llanquihue wurde aufgrund des Sonnenscheins und der herrlichen, tiefgrünen Landschaft zu einem schönen Erlebnis.

 

Die Fahrt nach Argentinien dauerte ca. 5 Stunden und führte uns durch üppige grüne Wälder. Die Grenzformalitäten konnten rasch erledigt werden und B a r i l o c h e, das an einem See liegt, kann man sich gut auch als eine Stadt in Mitteleuropa vorstellen. Sehr sauber, hübsche Holzhäuser, gute Infrastruktur, hohe Preise. Jedoch gleich hinter Bariloche beginnt die argentinische Pampas. Eine spärlich begrünte mit niedrigem Buschwerk bewachsene, riesige Flächen, auf denen Kühe, Pferde und Guanacos weiden. Wiederum ein neues Landschaftsbild auf unserer Reise.

 

Nach Rückkehr von Argentinien nach Puerto Montt, machten wir das Boot wiederum so weit klar, dass wir am kommenden Freitag, an dem wir gute Wetterbedingungen finden sollten, unsere Reise nach Valdivia fortsetzen konnten. Noch war es aber nicht so weit. Es musste nach 4 (kurzen) Wochen, in denen uns Manuel und Rudi besuchten, wieder Abschied genommen werden. Die Abschiedsfeier fiel mit Rudis Geburtstag am Mittwoch dem 21.4. zusammen. Wir hatten an diesem Abend viel Spaß miteinander …..

 

Am 22.4. war es dann endgültig soweit, dass uns die beiden wieder verließen, um zunächst mit dem Nachtbus nach Santiago zu fahren, wo am nächsten Morgen der Flieger nach Europa pünktlich startete. Auch der Weiterflug innerhalb Europas ging reibungslos von statten, obwohl zuvor ein Ascheregen aus einem isländischen Vulkan, den gesamten Flugverkehr innerhalb Europas für einige Tage stillgelegt hatte.

 

Gleichzeitig verließen wir nach zwei Monaten wiederum Puerto Montt und kamen am Sonntag den 25.4. in Valdivia an, wo wir wiederum für einige Zeit bleiben werden.