Schwarzbärin mit Jungem
Schwarzbärin mit Jungem

Mai 2015


Anfang Mai lichteten wir den Anker und fuhren Richtung Norden in den Pender Harbour. Auf dem Weg dorthin begegnete uns eine Gruppe von Orcas.

Pender Harbour ist ein Labyrinth von vielen kleinen Buchten und zahlreichen Häusern mit jeweils einer Schiffsanlegestelle. Wir ankerten im hintersten Bereich des Hafens, in der Garden Bay, sehr geschützt vor einem guten Pub. Im besagten Pub lernten wir so nach und nach verschiedene Leute kennen, die uns unabhängig voneinander jeweils den Besuch des Princess Louisa Inlets ans Herz legten wegen der spektakulären Landschaft.

Also verließen wir am 05.05. Pender Harbour am frühen Morgen, um rechtzeitig (d.h. bei Stillwasser) bei den Malibu Rapids zu sein, der schmale Eingang zum Princess Louisa Inlet. Die Fahrt ging zunächst entlang des Jervis Inlets (mit einer Tiefe von bis zu ca. 700m), von wo aus wir in der Ferne schneebedeckte Gipfel sehen konnten. Uns wurde erzählt, dass vergangenen Winter viel weniger Schnee gefallen sei als üblich und man daher bereits jetzt befürchtet, dass Vancouver im Sommer ein Wasserproblem bekommen werde.  

Da wir ca. 1 Stunde vor Stillwasseer bei den Malibu Rapids ankamen, ließen wir uns ca. 45min. treiben, sodass wir dann bei fast ruhigem Wasser, diese Stelle passieren konnten. Sobald wir jedoch im Princess Louisa Inlet waren, umgaben uns rechts und links hohe Steilwände mit vielen Wasserfällen. Am Ende des Fjords befindet sich ein hoher Wasserfall und es gibt einen langen Steg zum Anlegen. Ein Ankern ist hier sehr schwierig wegen der Tiefe des Wassers. Da es sich hier um einen großen Naturschutzpark handelt, befindet sich lediglich ein kleines Rancherhäuschen versteckt im Wald. Zur Sommersaison (Juni bis August) ist dieses Gebiet überfüllt von Motorbooten und Segelschiffe. Als wir hier ankamen, befand sich lediglich ein kleines Segelboot an dem ca. 300m langen Steg. Es führt ein kurzer Wanderweg zum Wasserfall, dem wir natürlich bis ans Ende folgten.

Beim Verlassen des Inlets mussten wir wieder sehr zeitig aufbrechen, um die Malibu Rapids bei günstigen Bedingungen zu durchfahren. Unser Ziel lag im Norden. Wir wollten in den Desolation Sound, ebenfalls ein Naturschutzpark. Wind und Strömung legten uns jedoch nahe, dass wir wiederum zum Pender Harbour, also nach Süden abdrehen sollten. Wir schlossen uns dieser Meinung an und landeten wieder vor unserem Pub in der Garden Bay.

Bevor wir jedoch zum Pender Harbour kamen, beobachteten wir ein kleines Segelschiff, das mit dem Motor gegen Wind und Welle anknüppelte. Wir wunderten uns sehr. Unsere Verwunderung wurde jedoch noch größer als dieses kleine Boot auf uns zusteuerte und die Steuerfrau uns zurief: Where is Pender Harbour – also wo es hier zum Pender Harbour geht. Erich musste ihr darauf antworten, dass sie bereits vor ca. 5sm die Einfahrt passiert habe und forderte sie auf, uns zu folgen, da wir ja das selbe Ziel hatten. Ein ganz offensichtlich von Seekrankheit geplagter junge Mann, schaute kurz aus dem Niedergang und verschwand sogleich wieder. Gute Seemannschaft stellt man sich anders vor.

Es vergingen abermals ein paar Tage, bis wir doch noch nach Norden aufbrechen konnten. Unser erster Stopp war in Van Anda, wo wir ankerten und zur Sicherheit eine Landleine ausbrachten. Eine hübsche Bucht, mit Blick auf die schneebedeckten Berge des Festlandes.

Der nächste Tag führte uns nach Lund, das uns als netter kleiner Ort mit einer hervorragenden Bäckerei empfohlen wurde. Beides war zutreffend und rechtfertigte diesen Stopp.

Jedoch ist der Ort tatsächlich so klein, dass man nach einem Tag bereits alles gesehen hat und sich wieder auf den Weg macht. In unserem Fall zum Desolation Sound.

In diesem großen Naturschutzpark gibt es zahlreiche Ankerbuchten. Dadurch, dass die Wasserwege sehr geschützt sind, ist dieses Gebiet auch bei den Kanufahrern sehr beliebt. Wir wählten als ersten Ankerplatz den Grace Harbour, wo wir als 3. Segelschiff ankamen und noch genügend Platz vorfanden. Erstaunt und interessant zu beobachten waren Millionen von kleinen Quallen.

Es gibt in diesem weitläufigen Park viele Wanderwege durch dichtesten Urwald. Von den beiden Pfaden, die  von diesem Ankerplatz wegführen, gelangten wir zu einem See bzw. auf die andere Seite der Bucht. Wir wurden durch herrliche Natur und reichlich Wildlife belohnt: ein kleines Streifenhörnchen ließ sich kaum durch uns stören und ein weiteres kleines Pelztier – irgendeine Wieselart – kreuzte unseren Weg, Schlangen sonnten sich auf heißen Steinen und von den Bibern sahen wir nur deren Bauwerk. Wir wanderten über dickes Moos und der Wegesrand war bewachsen von zahlreichen Farnen; wir kamen an einigen Bäumen vorbei, denen man die Möglichkeit ließ, alt und dementsprechend groß zu werden, teilweise mit vielen Flechten versehen. Aus der Zeit, als man hier Bäume fällte, fanden wir einen Teil eines Caterpillers, der über und über mit Moos bewachsen war. Sie wurde anscheinend nach Beendigung der Arbeiten zurückgelassen.

Nach einigen Tagen fuhren wir eine weitere Bucht an, die abermals viel Aufmerksamkeit beim Einfahren erforderte, da diese sehr schmal und seicht war. Aber einmal innerhalb der Bucht lagen wir sicher und ruhig. Auch hier gab es wieder Wanderwege und viel zu beobachten über und unter Wasser: diverse Seesterne, kleinere Fische, tausende Austern sowie kanadische Wildgänse, Weißkopfseeadler und eines nachmittags beobachteten wir am nahen Ufer eine Schwarzbärin mit ihrem Jungen.

Ein wunderschöner Abschluss meiner Reise!

Ja richtig: Nach nunmehr fast 7 Jahren ununterbrochenen Reisens und Leben auf der Delphin, wird es für uns nun Zeit, die Heimreise anzutreten. Für uns war es eine wundervolle Zeit, ein herrliches Leben, das wir dennoch nicht in dieser Weise fortsetzen wollen. Wir haben uns nach langen Überlegungen und Gesprächen dafür entschieden, dass ich die Heimreise mit dem Flieger antreten werde, um uns eine neue geeignete Heimat zu schaffen und Erich step by step mit der Delphin folgen wird, wobei er sich die Option offen hält, die Delphin bei vorhandenem Interesse, auch zu verkaufen. Sollte es wirklich dazu kommen, wird  ihm zwar das Herz schwer werden, aber es gibt noch so Vieles, das wir auch auf dem Landwege erleben können. Das Reisen werden wir jedenfalls – so oder so – noch lange nicht aufgeben.